Welcome to McKinsey Country – Come to where the idiots are

Eigentlich war heute nur die Fahrt von Edmonton nach Calgary mit ein bisschen Füllprogramm angesagt.

Um 22 Uhr kann ich sagen wir haben gegen Mückenschwärme gekämpft, ein Bison gesehen, haben einen Polizisten in die Flucht geschlagen, der Mr. Ed ein Ticket ausstellen wollte und haben der chinesischen Mafia bei der Geldwäsche geholfen. Das muss aber alles zurückstehen, da der kleine Robert heute zweimal vor der Kernschmelze stand und jetzt Dampf ablassen muss…

Wie ich bereits mal geschrieben habe, brauchte Mr. Ed hinten neue Puschen. Das Thema wollte ich in Squamish angehen. Dort hat sich aber herausgestellt, dass 215/50R17 keine Standardgröße ist. Insbesondere die kleineren Händler haben keine Reifen auf Lager.

Also hat Robert Mails an Reifenhändler auf dem Weg (Kamloops) mit der Bitte um ein Angebot geschickt. Auf die 8 Mails habe ich eine (1!) Antwort bekommen. Der Händler bot an die Reifen zu bestellen und Freitag (vor einer Woche) zu montieren. Als ich dann am Freitagmorgen im Laden stand, wurde mir beschieden die Reifen wurden nicht versandt. Das wars. Keine Entschuldigung oder auch nur ein Gramm Schuldbewusstsein.

Also hat sich Robert noch einmal mit den überregionalen Anbietern auseinandergestetzt. Dort kann man auch im Internet bestellen, was ich dann am Sonntag auch getan habe. Am Montag habe ich dann die Bestellbestätigung für Edmonton bekommen:

„You will be contacted by a Kal Tire team member within the next business day to confirm your appointment and to verify the fitment of your tires and/or wheels.“

Natürlich hat sich niemand gemeldet. Das habe ich dem Händler am Mittwochfrüh angezeigt. Keine Reaktion.

So war heute der Tag der Wahrheit. Ich stand beim Händler in Edmonton, der mir wörtlich sagte:

„I don´t have you in my system.“

Die dicke Drohne Willi hat dem Pinguin mal gesagt: „Robert ist der geduldigste und gutmütigste Kerl auf der Welt, aber Du bringst ihn noch zur Explosion.“ Ich wünschte, er könnte das den Kanadiern sagen. Aber der Dulli beim Händler war fix – er hat vermutlich das nervöse Zucken meiner Augenbraue richtig interpretiert. Der nächste Händler der Kette – 4 km südlich – hat die von mir gewünschten Reifen auf Lager.

Das war eine Schutzbehauptung, denn es waren die teureren Sport/Performance Reifen. Meinen – knapp gefassten – Wutausbruch hat der Verkäufer völlig ungerührt über sich ergehen lassen. Immerhin hat er insofern eine Reaktion gezeigt indem er mir 10 % Rabatt gegeben hat, so dass die ganze Operation zwar zeit- und nervenaufwändiger aber immerhin billiger war als angedacht.

Das Reifengeschäft in Kanada scheint eine Goldgrube zu sein, was bei den Straßen kein Wunder ist. Das ganze Geschäft scheint von großen Ketten beherrscht zu werden. Diese Ketten haben viel Geld für tolle Berater ausgegeben und leben in der Folge in zwei Welten. Wer im Internet die Reifen bestellt und die Filiale zu Montage auswählt, die Bestellbestätigung bekommt und zum Abschluss der Monatge eine SMS mit der Fertigmeldung bekommt denkt: Schick!

Wer dazwischen aber mit den Mindestlöhnern zu tun hat, die sich – selbst gegenüber den Kunden – ganz entspannt darauf berufen, dass dies ja nicht ihre Verantwortung sei (don´t have you in my system) bekommt echt zuviel. Diese Kerle sind im besten Marxschen Sinne vollkommen von Ihrer Arbeit entfremdet. Ihr Gelderwerb findet in ihrem kleinen Kreis statt und alles was außerhalb dieses Kreises ist, ist nicht ihr „system“.

Darum jetzt mal in aller Deutlichkeit für meine ehemaligen Kollegen: Wehrt Euch wenn die Prozessdesigner kommen! Konfrontiert sie mit all den Einzelfällen, die nicht erlauben Euch durch trainierte Schimpansen in stromlinienförmigen Abläufen zu ersetzen! Sie mögen 80 % Eures Tuns verstehen, aber sie haben keine Ahnung von den 20 % die den Unterschied zwischen dem – vormals – besten deutschen Kabelnetzbetreiber und einer beliebigen kanadischen Reifenbude ausmachen.

Für den Rest gibt es das Versprechen in den nächsten Tagen ein Heinz-Sielmann-Spezial zu machen und das Bild eines Schwarzbärpopos von gestern als Teaser.

6 Kommentare

  1. TomTe sagt: Antworten

    Hast Du noch nicht gewusst, dass das „S“ bei KMS nicht mehr für Service steht, sondern für Schimpanse?
    (O-Ton eines Wohnungswirtschaftlers, nur leicht modifiziert. Der hat hier einen anderen Vergleich gebracht).

    1. Rob sagt: Antworten

      den O-Ton kannst Du mir geben, wenn ich wieder zurück bin…

  2. Haustier sagt: Antworten

    Mensch Robert, es ist doch offensichtlich, dass hier eine Prozessoptimierung erforderlich ist. Nicht zu viel, sondern zu wenig Prozessabläufe sind hier das Problem 😀

    1. Rob sagt: Antworten

      Wie das Medikament wirkt nicht? Das ist unmöglich! Wir müssen nur die Dosis er höhen!
      Ja, Herr Doktor.

  3. edd sagt: Antworten

    Den eigentlichen Wutausbruch hat Rob dann auf der Straße gehabt…..na wenigstens mit den neuen Reifen…:)

    1. Rob sagt: Antworten

      Du solltest den Kontext dazu geben: Da war ein eichter Auffahrunfall mitten auf der Straße. Wir wollten links abbiegen und hatten einen vor uns. Der ist mit seinem Fahrzeug in die Kreuzung so weit reingefahren, dass wir nur bis zum Haltestrich gekommen sind. Von dort hat er sich drei Grünphasen den Unfall angeschaut ohne sein Fahrzeug einen Millimeter zu bewegen.
      Ich frage mich: Was hätte mein Haustier getan?

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