Der kleine Preis von Aitutaki

Heute widmen wir uns mal dem Thema Fortbewegung. Das Inselchen ist wie gesagt von überschaubarer Größe. Die größte Distanz, die ich zu überwinden habe sind die 8 km (laut Straßenschildern = wenig vertrauenswürdig) zum Hafen.

Ich schaffe die Strecke zu Fuß in einer guten Stunde (spricht dagegen, dass es 8 km sind). Auch wenn man nur zu Fuß über den Aitutaki-Höhenzug pilgern kann, ist das nicht immer eine Option. So müsste ich die Einkäufe (one-way) oder mein Kite-Equipment (beide Richtungen) tragen. Während Ersteres ja OK ist – kaufe nicht mehr Essen, als Du tragen kannst – ist Letzteres undenkbar.

Also am besten ein Fahrrad zum Einkaufen und ein Auto für den Kiteausflug. Alternativ kann man auch zu Fuß zum Einkaufen loslaufen. Die meisten Eingeborenen halten von alleine an und nehmen einen mit  im Zweifel auf der Ladefläche. Das ersetzt dann den nicht vorhandenen ÖPNV. Die meisten Touris nehmen hier Scooter, aber seit wann war ich jemals deckungsgleich mit den Meisten? Notiz für alle Zweiradfreunde: Wenn ein Huhn hektisch über die Straße wetzt, bremse ab. Es ist gut möglich, dass gleich ein Hahn aus dem Gebüsch folgt, der auch nicht nach rechts oder links schaut bevor er die Straße kreuzt.

Egal welches Verkehrsmittel man nutzt, unterhaltsam ist es immer. Im Auto gibt es keine Gurte oder sie sind rein dekorativ, da es keine Anschnallpflicht gibt. Für Scooter gibt es keine Helme und die meisten Vehikel haben auch kein Licht. Es gibt theoretisch einen Aitutaki-TÜV. Der beinhaltet aber nur Bremsen und Licht. Da aber bei einigen Verhikeln grundsätzlich die Möglichkeit fehlt irgendwo eine Glühbirne anzubringen, gehe ich davon aus dass das nicht wirklich durchgesetzt wird. Aber vielleicht stellt sich mancher beim TÜV-Termin eine Kerze auf die Pommestheke.

Zum Thema Bremsen fällt mir nur Oma auf dem Scooter ein. Vor ein paar Tagen hat mich Steve zum Hafen gebracht. Beim Stop am Superstore kam eine Oma mit leicht überhöhter Geschwindigkeit den Hügel – naja, ein kleiner Hügel halt – herunter. Vor dem Superstore standen gerade die zwei Polizisten, die gestikuliert haben, dass sie bremsen soll. Sie hat fröhlich zurückgewinkt und gerufen, dass sie keine Bremsen hat.

Bevor Ihr fragt: Die Polizisten haben nicht gemacht. Aitutaki ist eine Gerontokratie und da hält man ältere Menschen wegen Verstößen im Straßenverkehr nicht an. Das alte Zitat von Polizeichef Wiggum gilt hier mehr als irgendwo: „Die alten Menschen werden mithilfe der Organe der jungen Menschen am Leben gehalten, die sie überfahren haben.“

Ansonsten gilt auf der ganzen Insel ein Tempolimit von 40, 50 oder vielleicht 60 km/h. So genau weiß das niemand und die meisten chinesischen Billiggefährte schaffen das nur downhill, also was solls… So fährt die Eingeborene dann unangeschnallt mit dem Kleinkind im Arm und schaut durch eine Windschutzscheibe, die mehr Glaspuzzle als alles andere ist.

Als Beweisstück A gibt es noch ein Bild vom Kiteauto von Steve.

Auch wenn es nicht so aussieht: Es fährt! Ich bin bisher noch nicht in die Verlegenheit gekommen es zu nutzen, da ich entweder zum Hafen kutschiert wurde, oder das Boot mich direkt am Strand aufgesammelt hat.

Die Gefährte werden hier bis zum äußersten genutzt. Was nicht mehr fährt wird ausgeschlachtet. So hat Steve für seine Flotte von Leihrollern eine genauso große Flotte von Ersatzteillieferanten im Garten versteckt.

Was macht man dann wenn alles ausgeschlachtet ist?

Genau, am Strand hinter dem Flughafen schaut keiner so genau hin. Das salzige Wasser wirkt binnen kurzer Zeit wahre Wunder auf metallische Probleme.

14 Kommentare

  1. Haustier sagt: Antworten

    Der Nissan Micra ist ja interessant modifiziert worden. Beobachte mal die Spaltmaße an den Türen bevor und nachdem jemand ins Auto gestiegen ist😀

    Und das Ding am Strand sieht ein bißchen aus wie die traurigen Überreste eines Traktors. Kannst ja mal versuchen herauszufinden ob ich recht habe. Und wer der Hersteller war.

    1. Rob sagt: Antworten

      Du würdest Dich über Quentins Van freuen. Beim Schliessen der Tür muss man die Tür ein ganzes Stückanheben, aber nicht zu viel…

      Und an dem Trecker ist nix mehr zu erkennen…

      1. TomTe sagt: Antworten

        …vielleicht doch die Reste eines deutschen Schiffes? Was heut zutage alles aus der Vergangenheit angeschwemmt wird, wirklich schlimm!

        1. Rob sagt: Antworten

          Das müsste in dieser Ecker der Welt 100 Jahre alt sein…eher nicht!

  2. TomTe sagt: Antworten

    Dann ist ja Alles bestens! Da fühlt sich doch der ortsbekannte Johanneskirchener Radlfahrer Robert W. bestens zurecht!

  3. TomTe sagt: Antworten

    Im Satzbau noch verbesserungsfähig. Werde das bei Gelegenheit an SAMSUNG weiterleiten. Sch….Tastatur und Korrekturprogramm.

    1. Rob sagt: Antworten

      wir wissen ja, was Du sagen willst

      1. TomTe sagt: Antworten

        Ich wusste doch dass ich auf die Intelligenz der Leserschaft zählen kann!

  4. Haustiers dickes Weib sagt: Antworten

    Eine Gerontokratie…das kommt auf meinen Reiseplan für 60+!

    1. Rob sagt: Antworten

      Musst Dir aber noch ein paar Insignien des Stammeshäuptlings besorgen, dann kannst Du die Verkehrsregeln komplett ignorieren.

  5. Haustiers dickes Weib sagt: Antworten

    Die da wären? In Abi Dhabi sind es die kürzesten Nummernschilder…

    1. Rob sagt: Antworten

      Es gibt keine Verkehrsregeln – vorausgesetzt Du bist alt genug und von hier! Mit den kürzesten Nummernschildern wird es leider nichts, dafür bekommt aber fast jeder sein Wunschkennzeichen.

  6. Haustiers dickes Weib sagt: Antworten

    Ich meinte die Häuptlingsinsignien. Vermutlich kein Federschmuck oder Knochen durch die Nase? Das würde auch nicht helfen, um mich einheimisch zu machen…höchstens dein Haustier nach drei Tagen Tropensonne. Die kürzesten Nummernschilder fährt in Abu Dhabi auch der Häuptling alias die Familie des Emir, da weißt du also gleich, wer bei Rot über die Ampel darf.

    1. Rob sagt: Antworten

      Ja, das wäre schon schwierig Dich hier als Stammesangehörige zu verkaufen. Auch Dein Bettnachbar ist eher schwierig zu vermitteln, da hier keiner lange, schwarze Hosen oder Hemden trägt!

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