Russendisko auf der Bettlerallee

Gestern abend war es fast noch spannend. Ich habe gerade Fußball angemacht, da erzählt der Hostelchef, dass eine Reisegruppe aus sechs Iranern zu spät ist. Iraner in Sri Lanka? Na, wenn das mal nicht interessant werden kann…

Um es kurz zu machen: Es war nicht spannend. Die Meute war recht spät und macht den klassischen chinesischen Gruppenurlaub und hat damit nix spannendes zu erzählen. So geht es nach der Zusammenfassung mit dem Plätschern des Regens ins Bett.

Aber wer abends mit dem Regen ins Bett geht, steht morgens mit der Sonne auf. Richtig? Falsch! Es regnet bzw. nieselt mal wieder. Für das Wetter hätte ich auch zu Hause bleiben können. Naja, bisschen wärmer ist es schon, aber das führt dazu, dass hier nix trocknet was irgendwann mal nass geworden ist. Gott sei Dank hat mein Laptop eine kolossale Abwärme, so dass ich das gute Stück als Fön nutzen kann um nasse Kleidung zu trocknen.

Aber genug genölt für die ersten Absätze. Heute geht es auf den Little Adams Peak. Von dort sind es dann nur 3 km zum Wasserfall, den man sich ja auch noch mal anschauen kann. Die Strecke zum Little Adams Peak ist extrem überschaubar und nach nichtmal einer Stunde bin ich da. Zum Schluss noch kurzes Slalomlaufen zwischen Tandverkäufern und Bettlern, dabei aber aufpassen nicht in die Horden von Russen zu laufen.

Es ist wundersam, dass man auf dem Weg zu den Sehenswürdigkeiten weder Russen oder Chinesen sieht. Es wirkt fast so, als würden die sich direkt vor dem Ziel materialisieren…

Wer hat eigentlich die Russen rausgelassen? Haben die keine Krim wo die Urlaub machen können? Auf der positiven Seite muss man sagen, dass die genauso berechenbar sind wie die Chinesen. Wer vom Hauptpfad auch nur minimal abweicht betritt die Russen-bzw-Chinesen-freie-Zone. Ist nur blöd, wenn man auf einem Bergkamm ist und beim Abweichen vom Pfad den Abhang runterfällt…

Ich hoffe man kann erahnen, dass das hier echt schön wäre, wenn das Wetter mitspielen würde. Aber egal, erst mal orientieren wo es zum Wasserfall weitergeht…

Auf dem Bild kann man den Wasserfall in der rechten Bildhälfte oberhalb der Straße nur erahnen. Sehr deutlich ist dagegen, dass irgendwer die Landschaft sehr dreidimensional gestaltet hat. Ich gebe Pinky die Schuld dafür! Das sah auf der Karte sehr angenehm zweidimensional aus. Die drei Kilometer sind so ein eher theoretischer Wert. Zurück ins Dorf und auf der Straße dorthin sind es neun Kilometer. Auf Straße habe ich aber keinen Bock und erkläre den Wasserfall gesehen zu haben und schlage mich berab durch die Teeplantagen.

Auf dem Weg nach unten begegnen mir noch ein paar junge Aborigines die einen Ausflug ohne Tuk-Tuk machen. Aber wenn sie kein Tuk-Tuk haben, wie können sie dann hupen? Auf Sri Lanka gilt: „Ich hupe, also bin ich.“ Daher wird auch mal gerne auf schnurgerader Strecke ohne Verkehr oder Hindernisse gehupt. Einfach mal schauen, ob man noch existiert. Ahhh…wer nicht hupen kann pfeift einfach. Die buddhistische Existenz scheint primär eine akkustische zu sein…

Nach einigen Stunden finde ich dann – gespickt mit allem möglichen Nadelzeug – doch noch den Weg nach Hause. Die eine oder andere Abkürzung war doch schwieriger als gedacht, aber außer zwei französischen Studienräten war es sehr angenehm ruhig.

Morgen geht es nach Hatton um übermorgen früh auf den Sri Pada zu klettern. Bei dem Wetter sind die Chancen schlecht was zu sehen, aber vielleicht habe ich Glück.

Dann bin ich mal gespannt wie der Abend wird. Die Iraner sind direkt nach dem Frühstück abgereist. Also wer zieht heute ein? Chinesen hatte ich schon lange keine mehr…

6 Kommentare

  1. Haustier sagt: Antworten

    So eine Straße schreit danach, befahren zu werden!
    Da hätte ich mir doch einfach ein leeres TukTuk stibitzt..

    1. Rob sagt: Antworten

      Ich werde in den nächsten Monaten ausreichend Auto fahren. Zudem erwähnte ich ja, dass dort wo ein Tuk-Tuk hinkommt auch die von mir geschätzten Co-Touris sind.

  2. TomTe sagt: Antworten

    Heute gebe ich meinen Senf in Form eines interessanten Links für Dich weiter.
    http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/soziologe-wenn-der-buerotisch-zum-fliessband-wird-1.3341599
    Hierzu äußert sich Dein studierter Berufskollege Andreas Boes zu den „dressierten Schimpansen“. Ich werde den Artikel dem Roten Drachen mal zukommen lassen.

    1. Rob sagt: Antworten

      Ja, ein ehemaliger Br der pepcom versuchte das mal mit dem Pareto-Prinzip zu verdeutlichen. Darauf geht mein Studiengenosse leider nicht ein. Die Lösung muss doch sein sich durch 100 Prozent Leistung dem Preiswettbewerb möglichst zu entziehen. Und für 100 Prozent brauche ich eine flexible Organisation die 100 Prozent Leistung bringt…gell Ronny oller Wurstpellenrutscher?

    2. Roter Drache sagt: Antworten

      Diese Zukunft ist —- alternativlos. Nachdem du das Nest verlassen hast sind wir verstärkt gefordert. Zur Zeit sind viele Flugstunden angesagt. Nächste Woche hab ich mal frei um Bimsstein zu verzehren. Du weisst ja wie das mit dem Feuerspucken ist. Auf dem zweiten Bild habe ich schon eine gute Stelle zum landen gesehen.

      1. Rob sagt: Antworten

        Das freut mich doch, dass keine Langeweile aufkommt. War ja auch nicht anders zu erwarten. Aber jetzt wo der Kaas gebissen ist, könnt ihr sie immerhin mit Dienst nach Vorschrift bedrohen – oder gleich Urlaub machen…

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