Führerkritik

Das ist doch mal ein Clickbait-Titel, oder? Das Schönste was sich jeder Deutsche vorstellen kann und das Schlimmste was sich jeder Deutsche vorstellen kann in einem Wort vereint. Allein bei der Bewertung was nun das Schönste und was das Schlimmste ist, dürften die Meinungen auseinander gehen.

Aber der Titel wäre nicht Clickbait, wenn ich damit nicht mehr versprechen würde als ich halte. Es geht um profane Reiseführer. Ich habe ja schon gelegentlich meine Unzufriedenheit anklingen lassen. Ich erinnere mich noch sehr gut an Reisen durch den Nahen Osten mit dem Guide von Let´s Go. Da waren minutiös hunderte Bus- und Zugfahrpläne, sowie Hostels und Futterbuden in der Budgetklasse von Schülern und Studenten aufgeführt. Leider meine Ausgabe (1998) die vorletzte von Let´s Go Israel and Egypt.

Mittlerweile hat – wie auf dem Kabelmarkt – eine Konzentration am Markt für Reiseführer eingesetzt und egal ob Kabelfernsehen oder Reiseführer: Der Kunde ist der Dumme, wenn es keinen Wettbewerb mehr gibt. Dabei muß ich betonen: Bilderbücher mit dem Titel Reiseführer Kanada, 100 Seiten – davon 95 Seiten Bilder – und 5 Seiten Text, die nicht mehr aussagen als „Kanada ist schön, fahr doch mal hin“ sind keine Reiseführer!

Geblieben ist in der von mir gewünschten Kategorie eigentlich nur der Lonely Planet. Die dort abgelieferte Qualität ist so schlecht, dass selbst die kleine Edda irgendwann mal die Contenance verloren hat und meinte, dass es in diesem Buch keinerlei Struktur gibt. Damit hat sie – erstmals in ihrem Leben – recht. Als Beleg mal eine – historische – Anekdote:

Ich fahre von Lunenburg nach Clarks Harbor. Was liegt am Weg, was man sich ansehen kann? Da kann ich im Lonely Planet Nova Scotia aufschlagen und anfangen zu rätseln: Peggys Cove, Maitland, Shelburne, … Was davon liegt am Weg? Keine Ahnung… Zugegeben ist das in Nova Scotia oder PEI noch recht einfach, da die Provinzen überschaubar sind. In British Columbia oder Ontario hast Du dann ein echtes Problem…

Nach längerem Suchen finde ich eine Empfehlung für eine Radtour von Shelburne nach Birchtown. Am Parkplatz ließ sich das auch sehr verheißungsvoll an:

Das war es dann aber auch schon. Denn danach folgte das, was ich zuletzt vor ein paar Tagen in Brigus gesehen habe. Von New Brunswick bis Neufundland wurden ehemalige Eisenbahnstrecken in Radwege umgewandelt. Bahngleise wurden damals aber nicht nach der Schönheit der Landschaft verlegt, sondern wie es topografisch sinnvoll war:

Zudem werden die Strecken nicht immer gut gepflegt, weshalb ich auf dem zugewachsenen Weg immer schön geduckt um Steine und Seenlandschaften navigieren durfte. Ja, das war einfacher als in Brigus hat mich aber auch geärgert.

Zudem war die Aussicht eher so mittel:

Was jetzt an dieser Radtour empfehlenswert ist – oder jemals gewesen sein soll – muß mir der Fiffi von Autor nochmal näherbringen…

12 Kommentare

  1. Haustier sagt: Antworten

    Ab dem zweiten Satz des zweiten Absatzes wird es langweilig!

    1. Rob sagt: Antworten

      Da hastes aber gekriegt!

  2. Haustiers dickes Weib sagt: Antworten

    Das sagst du, mein liebes Haustier. Da ich aber die Reiseführertante im Hause bin, lese ich interessiert weiter und kann Robert zur Abwechslung nur zustimmen. Der Lonely Planet kann durch seinen Pseudo-Öko-Charme im Layout und der fürchterlichen Struktur nicht darüber hinwegtäuschen, dass sein Zielpublikum sehr gut verdienende Möchtegern-Individualreisende sind. Das stiefmütterlich behandelte Thema der bezahlbaren Unterkünfte etc etc…
    Ganz gut fahre ich in touristisch erschlossenen Gebieten mit einer Kombi aus Dumont (kultureller Überblick) und Reise know how (gute Struktur, zumindest basaler Überblick über ÖPNV etc). Im Westen der USA hatte man aber auch den Eindruck, dass die Autoren nie ihr Auto verlassen haben. Erst durch Internetrecherchen, insb. Tipps auf Tripadviser bekam man eine Idee, was sich z.B. im Inneren des Olympic Nationalpark verbirgt und wie man dorthin kommt. Lustig war noch ein Roadtrip-Reiseführer, bei dem der Auto für jede Ortschaft die passende Musik- und Filmkultur aufzählte. Nicht die praktischen Hinweise, aber ganz unterhaltsam. Ich glaube, Tipps für eine Radtour sind mir bisher aber nirgendwo untergekommen.

    1. Rob sagt: Antworten

      Ja, da hast Du tatsächlich recht… Hast Du einen Ghostwriter für den Kommentar engagiert? So kenne ich Dich gar nicht…

      1. Haustiers dickes Weib sagt: Antworten

        Wie kennst du mich nicht? Dass ich recht habe oder Dir an Wortreichtum gewachsen?

        1. Rob sagt: Antworten

          Beides! So kenne ich Dich nicht und ich verbiete Dir so zu sein!

          1. Haustiers dickes Weib sagt:

            Und so hieß er das Weib zu schweigen…

  3. TomTe sagt: Antworten

    ..und wo hält sich unser Schreiberling auf? Heute keine Ortsangaben, stattdessen führerlose Führerkritk!

    1. Rob sagt: Antworten

      der neue Beitrag beantwortet die Frage…

  4. Haustiers dickes Weib sagt: Antworten

    …in führerlosen Lufträumen?

  5. edda sagt: Antworten

    Schön, dass ich dem Autor nicht aus dem Gedächtnis gehe….immer positiv denken:)

    1. Rob sagt: Antworten

      Gerade nicht. Wenn Du schon mal rumnölst, muß es wirklich scheiße sein!

Schreibe einen Kommentar